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Para Leichtathletik
Schnellfahren, Kugelstoßen & Co.
Egal ob Rennrollstuhlfahren, Kugelstoßen, Speerwerfen, Diskuswerfen oder Keulenwurf – es gibt viele Möglichkeiten, aktiv zu werden. Ein Schnuppertraining ermöglicht unverbindliche Einblicke in die Disziplinen und beantwortet viele Fragen.
Wettkämpfe
Leichtathletik zählt zu den paralympischen Sportarten, so dass die besten Athlet*innen der Welt sich alle vier Jahre bei den Paralympischen Sommerspielen messen können, Darüber hinaus haben Rollstuhlsportler*innen viele Möglichkeiten, ihr Können in der Leichtathletik unter Beweis zu stellen. Auf nationaler Ebene gibt es den Jugend-Ländercup, Landesmeisterschaften und Deutsche Meisterschaften. Wer bereits ein gewisses Leistungsniveau erreicht hat, darf bei Europa- oder Weltmeisterschaften starten.
Sportgeräte
Rennrollstuhlfahrer*innen nutzen spezielle, auf ›den Leib geschneiderte‹ Rennrollstühle. Die gestiegenen Anforderungen an einen solchen Rollstuhl haben bewirkt, dass diese heute dreirädrig, besonders leicht und aerodynamisch gebaut werden. Die technischen Disziplinen werden aus speziellen Wurfstühlen betrieben. Diese werden mit Spanngurten fest am Boden fixiert. Die Wettkampfstühle der Werfer*innen sind ebenso Einzelanfertigungen und entsprechend der Bewegungsmöglichkeiten der Athlet*innen sowie den Anforderungen an die Wurfdisziplin ausgestattet.
Regeln
Je nach Disziplin gelten unterschiedliche Regeln. Das umfassende Regelwerk unterliegt dem Regelwerk der IAAF (International Association of Athletics Federations), entsprechende Regeländerungen oder Regeln, die sich speziell auf die Para-Leichtathletik beziehen, sind im Regelwerk des IPC festgelegt.Klassifizierung
Leichtathletik für Menschen mit einer Behinderung gibt es seit den 1960er Jahren. Um die Leistungen vergleichbar zu machen, werden die Sportler*innen für den Wettkampf bestimmten Startklassen zugeordnet, die ihren körperlichen Fähigkeiten am nächsten entsprechen. Dazu gehören Sportler*innen- mit einer Querschnittlähmung
- mit einer Sehbehinderung oder blinde Athlet*innen
- mit einer Cerebralparese
- mit Amputationen oder muskulären Behinderungen
Rennrollstuhlfahren
Als paralympische Disziplin wurde Rollstuhlschnellfahren erstmals bei den Paralympics 1968 in Tel Aviv (Israel) über 100 Meter ausgetragen. Bei den Spielen 1976 in Toronto (Kanada) kamen weitere Distanzen hinzu: Strecken über 200, 400, 800 und 1.500 Meter wurden nun gefahren. Bei den kommenden Paralympics 2020 in Tokio (Japan) werden sich die Rennrollstuhlfahrer*innen in Bahnwettkämpfen über 100, 400, 800, 1.500, 5.000 messen. Die Läufe erfolgten in sechs verschiedenen Startklassen. Die Marathonstrecke über 42,195 Kilometer wird als Straßenwettkampf gefahren.
Rennrollstühle gestern und heute
Als Sportgerät dienten zunächst vierrädrige Alltagsrollstühle. In den 1970er Jahren tüftelten die Fahrer individuelle Verbesserungen aus, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Spezielle Rennrollstühle kamen Anfang der 1980er Jahre auf. Sie waren leichter, bequemer und schneller. Als Standard für den Leistungssport setzte sich in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre weltweit der dreirädrige Rennrollstuhl durch, mit zwei großen Rädern hinten und einem kleineren Laufrad vorn. Die Vorwärtsbewegung erfolgt aber nicht durch das Drehen der Greifringe, sondern durch kraftvolles, anschiebendes Schlagen der Hände auf diese Greifringe. Zum Schutz ihrer Hände tragen die Rennrollstuhl- sportler*innen dazu spezielle Handschuhe.
Heute wird jeder Rennrollstuhl ganz individuell an die motorischen Möglichkeiten des*der Fahrenden, dessen*deren Gewicht und Körpergröße sowie an seine*ihre Sitzposition angepasst.
Die Entwicklung in Deutschland
In Deutschland beginnt die Geschichte des Rollstuhlschnellfahrens in den 1970er Jahren, als bei regionalen Behindertensportfesten erste Rennen veranstaltet wurden. Heute messen sich die Sportler*innen bei Meisterschaften auf nationaler und internationaler Ebene. Seit 1981 nehmen Rennrollstuhlsportler*innen auch am Berlin-Marathon teil. Die Strecke über 42,195 Kilometer ist auch für sie die größte Herausforderung an Schnelligkeit und Ausdauer.
Die aktuelle Weltbestleistung, die Jetze Plat beim Internationalen Heidelberger Rollstuhlmarathon 2017 aufstellte, liegt mit 57:39:90 Minuten deutlich unter einer Stunde. Zum Vergleich: Die Spitzenleistung der Läufer liegt derzeit bei 2:01:39 Std., gelaufen vom Kenianer Eliud Kipchoge beim Berlin-Marathon 2018.
Anfangs saßen auch in Deutschland die Rollstuhlschnellfahrer*innen noch in vierrädrigen Alltagsrollstühlen, die sie durch eigene Maßnahmen für den Wettkampf optimiert hatten. Die Weiterentwicklung zum Leistungssport in Deutschland ist eng mit dem Bau spezieller Rennrollstühle verbunden. Der deutsche Pionier dieser Zeit war Errol Marklein. Nach einem Autounfall 1975 querschnittgelähmt, machte er als Rennrollstuhlsportler bis 1995 international Karriere. Marklein entwickelte 1980 zusammen mit der Firma Sopur in Heidelberg den ersten Rennrollstuhl Europas, der in den Folgejahren nach und nach perfektioniert wurde.
Handbikes drängen auf die Rennstrecke
Handbikes, die in den 1980er Jahren entwickelt wurden, sind auch für Profisportler*innen immer interessanter geworden. Sie entstanden zunächst als alltagstaugliche und familienfreundliche Ausflugsvariante. In den 1990er Jahren folgten speziell für den Leistungssport konstruierte Modelle – die Rennbikes. In das Programm der Paralympics wurde Handbikefahren als radsportliche Disziplin erstmals 2004 in Athen, Griechenland, aufgenommen. 19 Sportler, darunter zwei Deutsche, gingen damals an den Start.
2008 in Peking/China, beteiligten sich bereits 45 Athlet*innen aus aller Welt, darunter acht aus Deutschland, an den Wettkämpfen im Handbikefahren. Die Zahl der Hochleistungssportler*innen im Rennrollstuhl ging unterdessen zurück.
Kontakt
Simone Zimmermann
Aktuelles von der Para Leichtathletik
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