Mit der Weltklasse mitgehalten
Zwar ohne Medaillen, aber mit starken Ergebnissen und vielen positiven Erkenntnissen ist die deutsche Para Badminton-Nationalmannschaft von den Weltmeisterschaften in Manama (Bahrain) abgereist. Ein Podiumsplatz war vor allem für Rick Hellmann und Marcel Adam greifbar, beide verloren ihr Viertelfinalspiele jedoch knapp. Annika Schröder freute sich über einen fünften Platz im Doppel. Die Newcomer sammelten wichtige Erfahrungen.
„Am Ende tut es schon ein bisschen weh, dass wir es nicht in ein Halbfinale geschafft haben“, gab Cheftrainer Christopher Skrzeba nach einer WM mit vier Viertelfinal-Teilnahmen zu, betonte gleichzeitig aber auch: „Wir haben gezeigt, dass wir oben mitspielen können. Gerade Rick Hellmann und Marcel Adam waren sehr stark und ganz nah dran an einer Medaille“.
Die beiden Paralympics-Teilnehmer waren im Vorfeld auch als die größten Medaillenhoffnungen in der deutschen Nationalmannschaft ausgemacht worden. Rick Hellmann zählt als frischgebackener Europameister zu den besten Spielern in seiner Rollstuhlklasse WH2. In der Vorrunde bestätigte Hellmann mit drei souveränen Siegen die hohen Erwartungen und gab sich im Achtelfinale ebenfalls keine Blöße beim deutlichen Sieg gegen den Franzosen Thomas Jakobs (21:8, 21:9). Im Viertelfinale wartete dann mit dem Chinesen Zhao Xin jedoch ein ganz anderes Kaliber auf den Berliner. Das Match war ausgeglichen, doch am Ende hatte der Chinese in zwei Sätzen knapp die Nase vorn (17:21, 18:21). Im Doppel mit dem Spanier Francisco Motero unterlag Hellmann im Achtelfinale dem koreanischen Duo Park Haeseong und Yu Sooyoung (14:21, 8:21).
Einen sehr ähnlichen Turnierverlauf erlebte Marcel Adam. In der stehenden Klasse SL4 blieb Adam in der Vorrunde fast ohne Satzverlust und musste dann ein besonderes Achtelfinale spielen. Gegner war dort sein deutscher Teamkollege Nils Böning, der sich durch einen Sieg im letzten Gruppenspiel seinen Platz in der K.o.-Runde gesichert hatte. „Ein rein deutsches Achtelfinale hat Positives und Negatives. Einerseits ist so einer unserer Spieler sicher im Viertelfinale, andererseits hätten es bei einer anderen Auslosung auch beide sein können“, sagte Christopher Skrzeba. So schaffte es nur Marcel Adam, der seinen Teamkollegen in zwei Sätzen (21:14, 21:15) bezwang und im Viertelfinale auf den in der Weltrangliste an Nummer zwei gesetzten Inder Naveen Sivakumar traf. Ohne Satzverlust war dieser bisher durchs Turnier gestürmt und musste nun zum ersten Mal richtig kämpfen. Denn den ersten Satz verlor Marcel Adam denkbar knapp mit 19:21, erst im zweiten Satz (9:21) wurde das Match dann zu einer eindeutigen Angelegenheit. Naveen Sivakumar gewann auch sein anschließendes Halbfinale und holte am Ende die Silbermedaille. Im Doppel war für Marcel Adam und seinen englischen Partner Curnow Pirbhai-Clarke ebenfalls im Viertelfinale Schluss „Da hat Marcel am Ende die Kraft gefehlt. Das war nach anstrengenden Tagen eher ein Bonus-Match“, berichtete Christopher Skrzeba.
Die restlichen deutschen Starter*innen hatten wenig Glück mit ihrer Auslosung. Annika Schröder traf bereits im Achtelfinale auf die amtierende Europameisterin Emine Seckin aus der Türkei und blieb in diesem Match ebenso wie im Doppel mit dem Tschechen Kamil Snajdar im Viertelfinale chancenlos. Dort war gegen ein koreanisches Duo auf Weltranglistenposition zwei Schluss. Das im Vorfeld gesteckte Ziel, die Vorrunde zu überstehen, hatte Annika Schröder dennoch erreicht.
Für die drei Debütant*innen ging es ohnehin vor allem darum, neue Erfahrungen gegen eine international starke Konkurrenz zu sammeln. Die Auslosung bescherte Robin Weiler, Julia Schramm und Jan-Gerriet Janßen genau diese. „Die Newcomer hatten harte Gruppen. Robin Weiler musste etwa gegen zwei Medaillen-Gewinner aus Paris spielen“, sagte Christopher Skrzeba. Dementsprechend war nach der Vorrunde für alle drei das Turnier beendet. Dennoch gab es einige Lichtblicke, wie der erste Satzgewinn von Jan-Gerriet Janßen gegen den Australier Grant Manzoney. Die beiden sind in der Vergangenheit schon öfters aufeinandergetroffen, bis zur WM immer mit klaren Vorteilen für Manzoney. „Jan-Gerriet ist in dem Match auf die nächste Stufe gekommen, da hat sich das viele Training ausgezahlt“, freute sich Skrzeba.
Das galt für das gesamte deutsche Team, das in Vorbereitung auf die WM ein durchaus hartes Trainingslager durchlaufen hatte. Ohne dieses hätte man sich wohl nicht so gut verkaufen können gegen eine internationale Konkurrenz, die immer stärker wird. „Das Niveau im Para Badminton ist seit Tokio 2021 extrem gestiegen. Diese WM war die bisher größte mit 350 Teilnehmenden, inzwischen ist fast jede Startklasse sehr gut besetzt“, betonte Skzreba. Eine Entwicklung, zu der das deutsche Para Badminton-Team beigetragen hat und von der es auch weiter Teil sein möchte. Die starken Leistungen in Manama haben gezeigt, dass dies auf keinen Fall unmöglich ist – auch wenn eine Medaille im Heimreise-Gepäck diesmal fehlte.
Das deutsche WM-Aufgebot im Überblick:
Marcel Adam (31 / Hildesheim / VfL Grasdorf), Nils Böning (26 / St. Ingbert / 1. BCB Saarbrücken Bischmisheim), Rick Cornell Hellmann (38 / Berlin / VfL Grasdorf/RSC Berlin), Jan-Gerriet Janßen (27 / Aurich / VfL Grasdorf), Julia Maya Schramm (24 / Velbert / VfL Grasdorf), Annika Schröder (28 / Herne / 1. BV Mülheim), Robin Weiler (24 / Tübingen / VfL Grasdorf)
Foto Nationalteam: © DBS

















