Gemeinsam wurde geübt wie man ergonomisch und sicher vorwärts und rückwärts fährt, bremst, Hindernisse überquert oder umfährt und natürlich auch wie man auf zwei Rädern fährt. Beim Mittagessen wurden die besten Tricks und Tipps ausgetauscht, nochmal kurz mit den Experten abgestimmt und dann direkt ausprobiert. Gleichzeitig war dieser Einstieg eine gute Gelegenheit für die Assistent*innen sich einen Eindruck davon zu verschaffen, was ihre Partner*innen auf Zeit körperlich und geistig zu leisten vermochten. Und da gab es durchaus die eine oder andere Überraschung. Julius mit seinem E-Rolli war einer der Schnellsten und er sagte ganz deutlich an, wo er Hilfe braucht, was er nicht will und was er gerne ausprobieren möchte; Nico brauchte immer sein Tablet bei sich, weil es ihn beruhigt und Ella freute sich riesig dabei zu sein und nutzte Gebärden, wenn sie sich bemerkbar machen wollte.
Helmut Gensler, im Deutschen Rollstuhl-Sportverband zuständig für den Fachbereich Kampfkünste, ist der Experte im Blasrohrschießen und in der Selbstverteidigung. Damit er sich intensiv um das Themenfeld Selbstbehauptung und Selbstverteidigung kümmern konnte, schulte er noch in der Mittagspause das Team im Blasrohrschießen. „Gar nicht so einfach“ stellte Ira Ziegler fest. Zunächst musste das ungefähr 1 Meter lange Blasrohr richtig geladen werden, erst dann konnte der Pfeil auf die Zielscheibe geblasen werden. Immer wieder die Mitte zu treffen, erwies sich als schwierig. Gleich zwei Akteuren gelangen sogenannte Robin Hoods, d.h. mit einem zweiten Pfeil durch den ersten zu schießen. Bei anderen prüfte der Experte mit Ruhe, ob denn das Lungenvolumen bzw. der Luftdruck, der erzeugt werden kann, ausreicht, um den Pfeil auf die Zielscheibe zu befördern. Die Ruhe vor den Zielscheiben wurde plötzlich durch laute „Nein, ich will das nicht!“-Rufe gestört. Denn parallel übte der zweite Teil der Gruppe Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Wichtig hierbei ist es, zunächst deutlich zu sagen, dass man etwas nicht will und sich Hilfe zu holen. Die Kraft des Angreifers in die eigene Kraft umzuwandeln und zu erkennen, was man in der Lage ist zu leisten, ist das Ziel. Am Ende der Einheit siegte der Geist über den Körper und die Teilnehmer*innen konnten mit der bloßen Hand Holzbretter zerschlagen. Unglaublich!
Mit Profis geht es auch am zweiten Sporttag weiter. Im Tischtennis standen bzw. saßen Paralmypics-Silbermedaillen-Gewinner Thomas Brüchle und seine Frau und Trainerin Annika an der Platte und unterstützen Gabriel Gaa und den Abteilungsleiter Erwin Bär von der SV 1845 Esslingen. Wer bis dahin noch nie einen Schläger gehalten hatte, um Bälle über die Platte zu schießen, konnte es im Stehen und im Sitzen ausprobieren. Die ganz unermüdlichen „Kids“ forderten auch den Tischtennisroboter – eine Ballmaschine – heraus, der die Bälle im Wechsel rechts und links präsentiert und sich immer wieder im Tempo stark steigert.
Engarde – Prêtes – Allez: Zeitgleich waren die Fechter*innen der SV 1845 Esslingen auf der Planche. Eine kleine Einweisung in Waffenkunde, Sicherheit, Grundwissen und natürlich in die erlaubten Bewegungen und dann ging es los. Maurice Schmidt, der sich kurz zuvor bei den Deutschen Meisterschaften gleich vier Goldmedaillen gesichert hatte, war als Experte wie auch als Vorbild begehrt. Apropos Sicherheit – trotz der warmen Temperaturen hatte jede/jeder die Fechtkleidung, Handschuh und Maske anzulegen. Alleine das erfordert schon Höchstleistungen. Highlights waren aber nicht nur die Show-Matches, die sich Thomas und Maurice geliefert hatten, sondern auch der Versuch von FCE Vorstand Sven Fries den Tischtennisroboter zu bezwingen.
Nach dem Mittagessen wurden die Tischtennisschläge und die Degen gegen etwas größere Schläger getauscht: In kleinen Gruppen ging es zum Tennis und zum Cricket. Diesmal direkt auf den Tennisplätzen und in der McArena (Freilufthalle). Als wichtigste Aufgabe in beiden Sportarten galt es, mit dem Schläger den Ball richtig zu treffen. Während beim Tennis der Ball über das Netz zum Gegner bzw. möglichst weit weg von ihm landen soll, geht es beim Cricket darum den Ball gar nicht erst hoch zu spielen. Ganz schön kompliziert, wenn man sich an das eine gerade gewöhnt hat. Und gut, dass alle Expert*innen so geduldig waren und immer eine Lösung fanden, damit auch alle mitmachen konnten. „Mario, Yvonne – ihr und eure Teams wart einfach Klasse!“
Am Tag 3 starteten die bekannten „großen“ Mannschaftssportarten. Den Auftakt machte Fußball, zu Fuß und im Rollstuhl. Zugegeben, der Ball für Rollstuhl-Fußball, auch Wheelsoccer genannt, ist ganz schön groß gewesen, aber dafür konnten auch alle mitspielen. Wer den Ball nicht selber spielen kann, der ließ sich durch einen Assistenten unterstützen. Es wurde ein ganz schön anstrengender Vormittag in der Sporthalle. Aber auch in den Freilufthallen ging es sportlich zu. Auch wenn Mirko feststellen musste, dass die McArena nicht so gut genutzt werden konnte: „Der Flor in der Halle ist relativ weich und lässt die Rollstuhlräder versinken, besser wir laufen hier!“























