Britta Wend und Maximilian Laudan gewinnen Trostrunde der German Open

Zum Ende der German Open räumten die deutschen Rollstuhltennisspieler*innen noch einmal ab. Sowohl Laudan, als auch Wend gewannen ihre Finalspiele in der Trostrunde, jedoch unter verschiedenen Voraussetzungen. Die Lokalmatadorin Katharina Krüger verpasste den Einzug in das Einzelfinale der Hauptrunde und musste sich auch im Kampf um den Doppel-Titel geschlagen geben. Die Asiat*innen Zhu und Miki gewinnen die Einzeltitel. Der Sieg im Herren-Doppel geht in die Niederlande und der Kanadier Shaw ist der neue Quad-Champion.

Britta Wend siegt im Finale der Trostrunde

Stolz und zufrieden mit ihrer ersten German Open Teilnahme zeigte sich Britta Wend „Nun habe ich mein erstes ITF2-Turnier gespielt und es ist ein sehr schönes Gefühl zu sehen, dass ich hier oben mitspielen kann.“ Gegen die Schweizerin Angela Grosswiler beendete sie am letzten Wettkampftag ihr Match, nachdem sich beide am Vortag für einen Regenabbruch entschieden haben. Mit 6-2 6-2 demonstrierte sie abermals ein sehr solide Leistung. Erst seit rund einem Jahr betreibt die 25-jährige Sportstudentin wieder leistungsorientiert Sport, vorher war Wend Handballerin. Nach einem Akrobatikunfall 2019 im Sportstudium packte sie wieder der Ehrgeiz zum Leistungssport und hatte seitdem einen wahren kometenhaften Aufstieg hingelegt. Nicht zuletzt durch den leidenschaftlich engagierten Bundestrainer Niklas Höfken, der mit vielen Workshops und Veranstaltungen die Inklusion des Rollstuhltennis in Deutschland optimiert.

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Maximillian LAUDAN (GER), 31. German Open Rollstuhltennis 2019, ITF, Berlin, 03.06.2019, Foto: Claudio Gärtner

Berliner Maximilian Laudan ohne Finalspiel zum Titelgewinn

Ein weiterer Titel ging auf das Konto von Rollstuhltennis Deutschland. Maximilian Laudan von den Zehlendorfer Wespen verbuchte den Trostrundensieg der Quad´s für sich, nachdem er völlig überraschend den amerikanischen Routinier Bryan Barten im Halbfinale bezwang. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich den Bryan schlage! Nun bin ich aber richtig müde.“ Nach einer sehr langen Verletzungsperiode ist Laudan wieder im vollen Training, jedoch fehlt noch Ausdauer für ein ganzes Turnier. Sichtlich angespannt war er vor dem angesetzten Finale „Ich bin gestern nach dem Spiel zügig nach Hause und habe viel geschlafen. Ich fühle mich etwas ausgeruht und hoffe das ich noch genug Kraft für das Endspiel habe“. Die Anspannung wurde ihm dann von seinem Gegner genommen. Der Chilene Pablo Araya verzichtete verletzungsbedingt. Bei seinem letzten Doppelspiel stürzte er und die Schmerzen im Rippenbereich waren zu stark, um beispielsweise eine Aufschlagbewegung durchzuführen. „Nun bin ich etwas froh nicht spielen zu müssen, da ich mich auch nicht mehr wirklich fit gefühlt habe. Für die German Open hatte ich mir im Vorfeld vorgenommen gut mitzuspielen und das habe ich erreicht. Richtig freuen kann ich mich nicht, da ein Sieg in der Trostrunde für mich nicht als richtiger Sieg zählt.“

Krüger beendet German Open als Runner up im Doppel

„Ich möchte Spaß vor heimischen Publikum haben und schauen wie weit ich komme“, so lautete die Zielstellung der besten deutschen Rollstuhltennisspielerin vor dem Halbfinale. Die Dauerrivalin Zhenzhen Zhu zeigte wie Krüger in den vorangegangen Spielen sehr souveräne Leistungen. Im ersten Satz sah es phasenweise nach einem Duell auf Augenhöhe aus, bis sich Fehler bei Krüger einschlichen. „Ich habe mich zu sehr über die Fehler am Ende des ersten Satzes geärgert, weil sie unnötig waren. Das war der Beginn und die Chinesin hat das gnadenlos ausgenutzt.“ Zhu überraschte Krüger immer wieder mit sehr präzisen Bällen an die Linie, welche für sie unerreichbar waren. Mit 6-3 ebnete die an Nummer eins Gesetzte sich den Weg in Richtung Endspiel. „Der zweite Satz war ein ständiges auf und ab für mich.“, berichtet eine sichtlich enttäuschte Krüger. Auf gute Punkte der Berlinerin folgte gleich wieder ein Konter der Chinesin. Gegen diese Hartnäckigkeit der Chinesin fand Krüger keine Lösung. „Sie konnte einfach sehr gut mein Spiel lesen“, gab Krüger zu.

Einige Stunden später trugen beide mit ihren Partnerinnen das Doppelfinale aus. Krüger hatte auch hier wieder das Nachsehen und verlor zusammen mit der Japanerin Manami Tanaka im Match Tiebreak gegen das Paar Pauline Deroulede/ Zhenzhen Zhu (2-6 6-3 7-10).

Chinesin Zhu verteidigt ihren Titel

Im rein asiatischen Damenfinale standen sich schließlich die amtierende Titelträgerin von 2019, Zhenzhen Zhu und die Japanerin Manami Tanaka gegenüber. Beide spielten erwartungsgemäß stark auf und schenkten sich besonders im zweiten Satz nichts. Doch in den entscheidenden Situationen bewies Zhu ihre Stärke für unerreichbare Bälle nah an die Linie. Der Jubel kam nach zwei Sätzen und 6-3 7-5 auf. „Für mich ist die Titelverteidgung viel höher einzuschätzen als der Gewinn im Jahr 2019. Ich habe mich seitdem wieder verbessert und das hier in Berlin gezeigt. Meine Gegnerin war auch sehr stark und hat mich gut herausgefordert. Vielen Dank an alle hier beim Turnier. Es hat mir Freude bereitet und ich komme bestimmt wieder!“

Kanadier Robert Shaw neuer Quad Champion

Im ersten Finalspiel des Tages gewann der Paralympics Teilnehmer von Tokio, Robert Shaw. Der 32-jährige welcher nach einem Tauchunfall vom Hals an teilweise gelähmt ist, siegte in zwei Sätzen mit 6-3 6-1 gegen den Chilenen Francisco Cayulef. In seiner Dankesrede betonte er gegenüber den Zuschauern und Spielern, dass die Coronazeit nicht einfach gewesen ist „Viele von uns haben ihre Förderung verloren und auch ihre Motivation. Ich bin daher froh, hier so ein großes und starkes Teilnehmerfeld vorgefunden zu haben. Ich hoffe das wird sich in der Zukunft so fortsetzen!“ Sein Gegner Cayulef fand lobende Worte „ Das Spiel war sehr schwierig für mich. Robert war ein extrem komplizierter Gegner. Ich kann ihn für seine Leistung nur anerkennend gratulieren. Ich hoffe sehr, nächstes Jahr wieder hier aufschlagen zu können.“

Zweiter German Open Titel für Takuya Miki

Auch der Japaner Takuya Miki ist ein Wiederholungstäter in Sachen Titelgewinn. Neun Jahre nach seinem ersten Gewinn in der Sportmetropole Berlin durfte er wieder den Bären als Siegertrophäe in die Hände nehmen. Sein Widersacher aus den Niederlanden, Ruben Spaaragen brachte ihm besonders im zweiten Satz, an seine Grenzen „ Es war ein sehr starkes Spiel von uns beiden. Ich habe mich kraftvoll und gut gefühlt. Jedoch habe ich im zweiten Satz meine Beständigkeit verloren und musste diese erst wiederfinden. Hier hat Ruben dann seine Punkte gemacht und ist ins Spiel zurückgekommen. Glücklicherweise konnte ich meinen Plan ihn zu kontrollieren im dritten Satz wiederfinden.“ 6-3 2-6 6-2 stand am Ende im Tableau für den sympathischen Miki. „Ich werde auf jeden Fall nächstes Jahr wiederkommen. Ich liebe dieses Turnier wirklich und fühle mich sehr wohl, es passt einfach alles hier in Berlin. Auf die Frage was die German Open in der ITF Wheelchairtennis Serie für ihn besonders macht antwortete er „Also das Essen ist hier wirklich klasse. Ich liebe Barbecue und hier werde ich immer sehr verwöhnt.“

Team Niederlande siegt im Herrendoppel

Für Ruben Spaaragen und seinem langjährigen Doppelpartner Maikel Scheffers war eins ganz klar vor dem Finale „Wir wollen den Sieg!“ Beide sehnten sich nach Wiedergutmachung, nachdem beide im Einzel nicht ihre Ziele verwirklichen konnten. Scheffers kam über das Viertelfinale nicht hinaus und sein Partner Spaargen wurde „nur“ Zweiter heute. In zwei Sätzen siegte das Duo mit 6-2 6-3 gegen Alexander Cataldo/ Martin de la Puente. „Wir machten heute wenig Fehler. Im ersten Satz hatte ich wirklich nur die Aufgabe die Bälle ins Feld zu bringen und Ruben hat dann immer den Abschluss gemacht. Wir ergänzen einfach super. Für uns war der Finalsieg wirklich das Highlight der German Open und auch ein gutes Trostpflaster.“, so das Duo einstimmig nach dem Spiel.

Nordamerikanisches Duo siegreich im Quad Doppel

Bereits am vorletzten Wettkampftag sicherte das Quad Doppel Bryan Barten (USA)/ Robert Shaw (CAN) den ersten Titel bei den diesjährigen German Open. Mit 6-4 6-1 bezwangen sie das Duo Ugur Altinel (TUR)/ Marcus Laudan (DEU). Der Tag der German Open endete mit der Siegerehrung des Damendoppels Pauline Deroulede (FRA) / Zhenzhen Zhu (CN).

>>> mehr zu den German Open 2022: www.wheelchair-tennis.de/en

Text: DBS
Fotos: © Claudio Gärtner – tennisphoto.de