Mobilitätstraining in Mainz
Unter der Leitung von Aktiven der Abteilung Rollisport des TV Laubenheim (TVL) fand am 26.10. und 23.11.2025 im Sportzentrum am Ried ein RoMoWo-Kurs statt. Auf den ersten Blick könnte hinter dem Namen RoMoWo ein größeres Unternehmen stecken, das demnächst die Namensrechte für die Laubenheimer Sporthalle übernimmt. Tatsächlich steht die Abkürzung aber für „RollstuhlMobilität Wohnortnah“ und damit für ein Projekt, das deutschlandweit Kurse zur Förderung der Mobilität von Menschen im Rollstuhl anbietet. Das Projekt wird durch Aktion Mensch gefördert und vom Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband umgesetzt. Sehr bemerkenswert ist, dass die Veranstaltungen durch die Förderung komplett kostenlos angeboten werden können.
Am ersten Tag des Kurses wurden wir – also die ungefähr 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und deren Begleitpersonen – von vier Übungsleitungen des TVL am Sonntag Morgen um 9.30 Uhr empfangen. Da allen Begleitpersonen ein Rollstuhl aus dem großen Lager des Vereins verpasst wurde, lief die Veranstaltung von Anfang an in jeder Beziehung auf Augenhöhe ab. Schon beim Kennenlernspiel nach der Vorstellungsrunde merkten viele, dass es gar nicht so einfach ist, neben dem Fahren den eigenen Namen noch ständig präsent zu haben. Damit war die Überleitung zur ersten Einheit geschaffen, in der es erstmal um grundlegende Dinge wie Räder antreiben, Bremsen, Lenken, sowie die optimale Sitzposition ging. Nach dem gemeinsamen Mittagessen haben wir geübt, wie wir Hindernisse in Form von Bordsteinen sicher bewältigen können. Natürlich haben die Übungsleiterinnen und -leiter bei allen Übungen auf die Sicherheit geachtet und den Schwierigkeitsgrad nach und nach erhöht – so auch beim Thema Treppen mit Hilfe von einer oder zwei Personen. Zum Abschluss des Tages haben Nora, Thomas und Jörg uns anhand verschiedener Rollstuhltypen wertvolle Informationen mitgegeben, was einen guten Rollstuhl ausmacht und worauf man bei Anschaffung und Einstellung achten muss. An dieser Stelle, sowie im gesamten Kursverlauf, haben die Leitungen bei allen Teilnehmenden genau hingeschaut, ob die Einstellung des Rollstuhls passt, und bei Bedarf direkt vor Ort nachjustiert. So wurde niemand mit einem schlecht eingestellten Rollstuhl nach Hause gelassen.
Am zweiten Kurstag stand das Kippeln auf dem Programm. Das Prinzip, mit einem Stuhl auf den hinteren zwei Beinen zu balancieren, wird den meisten aus der Schulzeit bekannt sein. Menschen im Rollstuhl können das Fahren auf den Hinterrädern nutzen, um noch leichter und sicherer Bordsteine, steile Rampen und andere Hindernisse hinter sich zu bringen. Diese Fähigkeit lernten wir in 10 aufeinander aufbauenden Schritten, immer mit einer Fußgängerin oder einem Fußgänger als Absicherung. Danach konnten wir unsere neu erlernten Fähigkeiten an Matten, Podesten und Rampen auf die Probe stellen, unter Anfeuerung und Applaus der Übungsleitungen und der anderen Teilnehmenden. Das alles war unglaublich motivierend und hat viele dazu gebracht, ihre Ängste zu überwinden.
Bei Kaffee und Kuchen wurden am Nachmittag nützliche und verzichtbare Hilfsmittel vorgestellt. Zum Abschluss hielten Nora und Thomas einen Vortrag über die gesetzlichen Regelungen bei der Rollstuhlversorgung, und darüber, welche Schritte man bei der Neuanschaffung eines Rollstuhls beachten sollte, um nicht am Ende durch eigene Unkenntnis und schlechte Beratung mit einem ungeeigneten Fortbewegungsmittel ausgestattet zu sein.
So gingen zwei lange, anstrengende, aber sehr lehrreiche, Mut machende und motivierende Kurstage zu Ende. Ich denke, ich darf für alle Teilnehmenden sprechen, wenn ich sage, dass wir unglaublich viel mitgenommen haben – Dinge, die unseren Alltag im Rollstuhl schon jetzt wesentlich erleichtern, oder das mit Zeit und Übung in Zukunft tun werden. Vielen Dank an Verena, Jörg, Andreas, Nora und Thomas für die Organisation und Übungsleitung – ihr habt das großartig gemacht. Und ich bin mir sicher, dass alle Teilnehmenden gerne bei einer Wiederholung dabei wären.
Text: Nicolas Heck
Fotos: © Privat
Einladung zum Rollstuhlmobilitätstraining! – Aktuelle Termine 2026
Im Rahmen unseres Gemeinschaftsprojekts »romowo« bieten wir auch 2026 wieder kostenlose Rollstuhltrainingskurse für Erwachsene an. Unter dem Motto »RollstuhlMobilität Wohnortnah« haben Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, an zwei aufeinander aufbauenden Präsenztagen die Möglichkeit, an einem qualifizierenden Rollstuhlmobilitätstraining teilzunehmen. In ungezwungener Atmosphäre erlernt Ihr die wichtigsten Fahrtechniken, um Euch eigenständig, sicher und selbstbewusst mit Eurem Rollstuhl im Alltag bewegen zu können. Der Kursinhalt ist in einzelne Module unterteilt und kann zu Hause – online – vertieft werden; hierzu installiert bitte die RoMoWo-Web-App.
>>> zu den aktuell vorhandenen Terminen – meldet Euch am besten gleich an!
Wir suchen nicht nur Rollstuhl-fahrende Personen für unsere Trainingseinheiten, auch Übungsleitende dürfen sich gerne melden, wenn Ihr selbst Rollstuhltrainingsstunden geben wollt.
Und nicht zuletzt: Um künftig regelmäßig gleichartige Trainingskurse anbieten zu können, halten wir nach geeigneten Räumlichkeiten Ausschau. Denn wir wollen das Angebot nach und nach bundesweit ausbauen, also seid dabei, wenn Neues entsteht!
Ihr seid ein Sportverein oder eine andere soziale Einrichtung und könnt Euch vorstellen, so etwas bei Euch stattfinden zu lassen? Dann meldet Euch doch bei uns: info@romowo.app – Fon 0151 12 15 85 71


















