Fünf Hundertstel: Anna-Lena Forster gewinnt Abfahrts-Gold

Vierte Paralympics, zehnte Medaille – Monoskifahrerin Anna-Lena Forster hat zum Auftakt der Winterspiele in Cortina d’Ampezzo direkt abgeliefert: In der Abfahrt auf der Tofana raste sie am Samstagmorgen mit einem hauchdünnen Vorsprung zu ihrem fünften Paralympics-Sieg. Für das Team Deutschland Paralympics war es bei der ersten Chance auf Edelmetall gleich die erste Goldmedaille.

Um 10.27 Uhr hatten das deutsche Team und Anna-Lena Forster endgültig Gewissheit: Gold am frühen Morgen des ersten Wettkampftages – ein Traumstart. Es war der erwartete Zweikampf zwischen Anna-Lena Forster und Audrey Pascual Seco aus Spanien. Zwei Abfahrts-Siege hatte Forster Mitte Dezember im italienischen Santa Caterina gefeiert, bei ihren beiden zweiten Plätzen in Saalbach Mitte Januar musste sie sich dann der jungen Spanierin geschlagen geben. In Cortina d‘Ampezzo hatte Forster im ersten Training die Bestzeit gesetzt, im zweiten musste sie sich ihrer Dauerkonkurrentin Audrey Pascual Seco aus Spanien geschlagen geben. Immer in Reichweite: Die Niederländerin Barbara van Bergen, die in der Abfahrt am Samstag als einzige vor Forster startete – dann aber früh stürzte.

„Es kam wie wir es befürchtet haben, dass die Niederländerin vor ihr gestürzt ist, aber wir haben eine Super-Startcrew mit unserer Physio und unserem Servicemann, die dann wissen, wie sie reagieren und Anna-Lena dann auch vorbereiten, dass sie das ausblenden soll und sich auf sich fokussiert“, sagte Bundestrainer Justus Wolf: „Wir haben probiert ihr zu vermitteln, dass sie es kann und wenn sie an sich glaubt, dass das auch klappt.“

So war alles bereitet für Forster und ein packendes Duell: Die Monoskifahrerin vom Bodensee, die in Singen (Hohentwiel) geboren wurde, in Freiburg wohnt und für den BRSV Radolfzell startet, setzte in 1:25,79 Minuten die Bestzeit – und es wurde ein Krimi mit Pascual Seco. Zu Beginn führte Forster, bei der letzten Zwischenzeit war die Spanierin drei Hundertstel in Führung – doch im Ziel hatte die Deutsche einen Hauch von fünf Hundertstelsekunden Vorsprung. Nach Silber in Peking 2022 war es die erste paralympische Abfahrts-Goldmedaille für Forster, die bei großen Events nur die Abfahrt 2022 bei der WM in Lillehammer gewinnen konnte – mit überschaubarer Konkurrenz. Jetzt in Cortina war nahezu die gesamte Weltspitze am Start.

„Wir haben ihr mit auf den Weg gegeben, dass sie es auch genießen soll, es sind perfekte Bedingungen, eine richtig schöne Strecke, Super G-artig, die ihr liegt. Die Sonne strahlt jetzt mit ihr um die Wette und was will man mehr?“, sagte Wolf und lobte seine Athletin: „Sie hat sich echt noch mal gesteigert zum zweiten Abfahrts-Training. Wir hatten gestern eine fast zu intensive Video-Besprechung, da dachten wir schon, wir hätten sie überfordert, aber Leni war schon sehr aufgeräumt bei der Besichtigung. Es war klar, dass es knapp wird, weil die Spanierin auch echt zugelegt hat diese Saison. Wir sind mega zufrieden und richtig happy für uns und für Leni, dass der Gold-Sieg in der Abfahrt jetzt realisiert wurde, weil der ihr schon sehr wichtig war.“

Das konnte Forster nur bestätigen: „Einfach krass! Ich wusste, es kann passieren, ich wusste aber auch, wie stark die anderen sind. Manchmal hat die eine fünf Hundertstel auf ihrer Seite, manchmal die andere, so ist unser Sport. Ich finde es unheimlich geil, wenn die Rennen so laufen wie heute und es so, so knapp ist“, sagte die glückliche Paralympics-Siegerin: „Das Ergebnis ist perfekt, das Rennen war sehr wild, ich hatte ein paar Ausritte, die ich mir nicht erlauben hätte dürfen. Aber ich hab den Ski gut laufen lassen, das ist mir gut gelungen, deshalb hat es doch gereicht.“

Auch in den kommenden vier Rennen hat Forster als Gesamtweltcupsiegerin die Aussicht auf weitere Medaillen: Am Montag steht der Super-G auf dem Plan, am Dienstag die Super-Kombination, am Donnerstag der Riesenslalom und am kommenden Samstag zum Abschluss der Slalom – ihre Paradedisziplin.

 

Milano Cortina 2026

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Text: Nico Feißt / DBS
Foto: Anna-Lena Forster © Tom Weller / DBS