KONZENTRATION, KÖRPERBEHERRSCHUNG & TAKTIK

Fechten

Im Jahr 1954 wurde die Sportart „Paralympisches Fechten“ bei den Stoke Mandeville Spielen von Sir Ludwig Guttmann vorgestellt und wird seit den Paralympischen Spielen in Rom im Jahr 1960 ausgetragen. Guttmann, ein sehr erfahrener Fechter, erkannte damals das Potenzial des Fechtens in Rollstühlen. Fechten ist ein inkusiver Sport für die ganze Familie, ob als Rollifahrer oder Fußgänger, jung oder alt, Mann oder Frau – ganz getreu dem Motto der drei Musketiere: „Einer für alle, alle für einen!“ 

So geht’s los
Das Training findet überwiegend integrativ in den Vereinen des Deutschen Fechterbunds statt, zusammen mit Sportlern ohne Behinderung. Auf unserer Vereinslandkarte können Sie nach Sportaten gefiltert den passenden Verein in Ihrer Nähe zum Ausprobieren suchen. Bei der Suche nach einem geeigneten Club helfen auch die DRS-Ansprechpartner gerne weiter.

Wettkämpfe
Wer sich gerne auf Turnieren messen möchte, kann bei Landesmeisterschaften, deutschen Meisterschaften bis hin zu Weltcups, Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften antreten. Das Highlight stellen alle vier Jahre die Paralympics dar. Rollstuhlfechter können aber auch an den meisten Breitensportturnieren teilnehmen oder beim Deutschlandpokal als Teil einer Mannschaft um den Sieg kämpfen. Alle zwei Jahre wird in Deutschland ein Weltcup im Rollstuhlfechten veranstaltet.

Sportgeräte
Es wird ebenso wie im „Fußgängerfechten“ mit den Waffen Florett, Degen und Säbel gefochten. Die Ausrüstung wird im Rahmen von Schnuppergruppen in der Regel von den Vereinen gestellt. Dabei sind die Vorschriften des Internationalen Fechtverbandes (FIE) eingehalten, welche die Sicherheit der Kleidung und Waffen gewährleisten. Einen speziellen Fechtrollstuhl braucht man am Anfang nicht, es kann mit dem Alltagsrollstuhl gefochten werden. Profis fechten mit einem Fechtrollstuhl, der mit einer Griffstange ausgerüstet ist, die das Herausschnellen beim Angriff erleichtert.

Regeln
Man sitzt sich im Rollstuhl gegenüber. Die Fechter bewegen sich dabei nicht – wie allgemein immer wieder vermutet – mit dem Rollstuhl über die Fechtbahn, sondern sind in „Fechtgestellen“ festgeschnallt. Das Gestell besteht aus Schienen bzw. Plattformen, in bzw. auf die die Fechter fahren. Die Schienen bzw. Plattformen der beiden Fechter sind mit einer Querstange miteinander verbunden. Je nachdem ob sich zwei Rechtshänder, zwei Linkshänder oder je ein Rechts- und ein Linkshänder gegenübersitzen, befinden sich die Gegner auf den gleichen oder gegenüberliegenden Seiten der Querstange. Der Abstand zum Gegner wird je nach Körpergröße und Waffe individuell eingestellt. Die Kampfregeln weichen nur geringfügig von klassischen Fechtregeln ab. So ist beispielsweise die Trefferfläche im Degen begrenzt, so dass auf den Beinen oder dem Rollstuhl keine gültigen Treffer platziert werden können. 

Klassifizierung
Rollstuhlfechten eignet sich für Menschen mit einer leichten Gehbehinderung ebenso wie für Para- und Tetraplegiker. Die Einteilung erfolgt in drei verschiedene Wettkampfklassen:

A: Sportler mit der geringsten Einschränkung (z.B. Beinamputierte), 
B: Sportler mit Einschränkung in der Rumpfmuskulatur oder im Waffenarm, 
C: Sportler mit starker Einschränkung in der Rumpfmuskulatur und dem Waffenarm

Internationale Erfolge
Erfolgreichster nationaler Fechter ist derzeit Maurice Schmidt vom SV Böblingen – beim Weltcup 2020 in Sao Paulo erreichte er den 2. Platz im Degen. Erfolgreiche Nachwuchshoffnung ist Felix Schrader vom SV 1845 Esslingen, der bei der U17-WM 2019 den 1. Platz im Florett und den 2. Platz im Degen erkämpfte.

Weiterführende Links
Rollstuhlfechten.de – DRS-Fachbereich Rollstuhlfechten
IWAS – International Wheelchair and Amputee Sports Federation
IPC – Paralympisches Rollstuhlfechten
DFB – Deutscher Fechter-Bund