„Rehasport ist für mich: Struktur für meinen Wochenrhythmus“

„Meinen Rehasport kann und möchte ich nicht mehr missen“, sagt Marianne Janjetovic. Das wöchentliche Angebot und – in diesem Zusammenhang das gezielte Gehtraining – ist für die 70-Jährige aus Essen nicht nur eine wichtige Alltagshilfe. Man kann sogar sagen, der Rehasport hat Janjetovic zu einem gesünderen Leben verholfen, seit bei ihr im Jahr 2015 die periphere arterielle Verschlusskrankheit – kurz pAVK – diagnostiziert wurde.

Bei der Essenerin sind die Arterien in den Beinen verschlossen, der Blutfluss beeinträchtigt. Bemerkbar gemacht habe sich das zunehmend beim Laufen. „Ich habe mehr und mehr gespürt, dass ich keine langen Gehstrecken mehr zurücklegen kann“, erinnert sich Janjetovic. „Mein Mann, der damals selbst bei einem Gefäßchirurgen in Behandlung war, riet mir, einen Arzt aufzusuchen. Das habe ich gemacht, und dabei wurde eine pAVK diagnostiziert.“

Der Schock saß tief. Die Angst vor den Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfällen war groß. Für Janjetovic wirkte der Rat der Spezialisten wie ein echter Warnschuss. „Die Ärzte zeigten mir zwei Möglichkeiten auf: entweder direkt operieren, weil die Erkrankung schon recht weit fortgeschritten war, oder alternativ einen kompletten Lebenswandel vollziehen“, entgegnet die 70-Jährige. „Ich war Raucherin, zwar nie eine, die viel geraucht hat, aber trotzdem. Beruflich saß ich über Jahre täglich viele Stunden im Büro, habe keinen Sport gemacht. Womöglich kommen die Verschlüsse auch daher. Ich dachte immer, mir fehlt die Zeit für Sport, aber ehrlich gesagt, hatte ich abends auch keine Lust mehr.“

In Folge ihrer chronischen Erkrankung änderte Marianne Janjetovic ihren Alltag, stellte ihre Lebensgewohnheiten um und fand vor allem im Rehasport die Betätigung, die ihr körperlich und seelisch guttut. „Mein Gefäßchirurg wies mich darauf hin, dass es ein strukturiertes, speziell für die pAVK ausgerichtetes Gehtraining geben würde.“

Eine regelmäßige und dauerhafte Teilnahme soll erkrankten Menschen helfen, ihre schmerzfreie Gehstrecke wieder zu verlängern. Spezielle Gehübungen können dabei helfen, nach und nach die Durchblutung der Beine zu verbessern, so dass die Muskeln wieder besser mit Sauerstoff versorgt werden. Für Marianne Janjetovic war das eine echte Alternative zu einer Operation und einen Versuch wert. Zum Zeitpunkt der Diagnose war sie bereits Rentnerin und hatte die Zeit, ihren Alltag entsprechend mit Sport zu gestalten.

Seit dem Frühjahr 2015 besucht sie einmal wöchentlich ihre Sportgruppe – und das bereitet ihr nicht nur große Freude, wie sie sagt. Tatsächlich haben sich auch ihre Werte und ihr Krankheitsbild seitdem verbessert. „Das Gehtraining hat mir von Anfang an gut gefallen und sehr gutgetan. Und was noch besser ist: Innerhalb von anderthalb Jahren bin ich vom Stadium 2B der pAVK auf 1 zurückgegangen, und zwar ganz ohne Operation. Diesen Status halte ich seitdem, und mehr als blutverdünnende Medikamente brauche ich nicht“, betont Janjetovic.

Sie weiß: Die Krankheit ist nicht heilbar, aber aufzuhalten. Deshalb gibt es für die 70-Jährige auch kaum einen Grund, den Rehasport ausfallen zu lassen. „Ich muss in Bewegung bleiben, aber ich mache das gerne. Falls die Krankenkasse den Rehasport irgendwann nicht mehr unterstützt, würde ich ihn auch selbst zahlen. Der Sport ist für mich in jeder Hinsicht eine große Bereicherung. Ich habe dort auch Freundschaften geschlossen.“

Eine Einheit dauert jeweils 45 Minuten. Eine ausgebildete Übungsleiterin geht dabei gezielt auf die Erkrankung und den individuellen Gesundheitszustand ein. „Unsere Übungsleiterin ist so eine tolle Frau“, schwärmt Janjetovic. „Sie macht das wunderbar abwechslungsreich.“ Nach dem Aufwärmen absolvieren die Teilnehmer*innen Laufstrecken in der Essener Gruga, bei gutem Wetter immer im Park. Jeder in seinem Tempo und so lange wie er kann. Dabei stehen neben Gleichgewichtsübungen auch das richtige Gehen und Abrollen des Fußes im Fokus. Im Winter wird drinnen trainiert, die Gehstrecke auf dem Laufband absolviert. „Ich habe echt Ausdauer bekommen“, sagt Janjetovic.

Bis zu ihrer Diagnose habe sie nichts über die Möglichkeit und die Vorteile des Gehtrainings gewusst. „Ich hatte wie viele andere Patienten keine Vorstellung, aber viele Ärzte wissen es leider auch nicht.“

Daher ihr Rat: Einfach ausprobieren. „Wer die Diagnose hat, soll sich unbedingt informieren. Das ist ein hilfreiches Angebot. Er gibt mir Struktur in meinem Wochenplan und hilft mir, meine Ziele besser zu erreichen. Für mich hat sich durch den Sport vieles zum Guten gewendet. Mein ganzes Wohlbefinden ist viel besser geworden.“

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Quelle: Stefanie Bücheler-Sandmeier / veröffentlicht auf DBS-NPC.de