Platz 4 für Team Germany

Bei der IPCH Weltmeisterschaft im finnischen Pajulahti konnte die deutsche Powerchair HockeyNationalmannschaft ihre selbstgesteckten Ziele nicht erreichen und wurde am Ende Vierter. Im Spiel um Bronze, das die deutsche Mannschaft überraschend deutlich mit 2:18 gegen Italien verlor, zeigte sich, dass der Abstand zu den führenden Nationen in den letzten zwei Jahren sehr gewachsen ist.

Es war eine stimmungsvolle Weltmeisterschaft, bei der das deutsche Team eine enorme Unterstützung erfahren hat, nicht nur durch die mitgereisten Fans, sondern auch durch die zahlreichen Sponsoren, die im Vorfeld der Titelkämpfe gefunden werden konnten. Denn nach dem Aus der staatlichen Förderung von Nicht-Paralympischen Sportarten, zu denen auch Powerchair Hockey gehört, musste die Finanzierung für die WMTeilnahme selbst gestemmt werden. Anderthalb Jahre waren die Verantwortlichen im Fachbereich Elektro und der Nationalmannschaft – unterstützt durch den DRS – aktiv, um die nötigen Gelder zu sammeln und sich den Traum der WM-Teilnahme zu erfüllen. »Die vielen neuen und überwiegend positiven Erfahrungen, die wir auf dem Weg dorthin sammeln durften, werden dem Powerchair Hockey in Summe nachhaltig weiterhelfen«, ist sich Christian Homburg, Leiter des Fachbereichs Elektro, sicher.

Entsprechend optimistisch ging das Team um Bundestrainer Pascal Sauer auf die Reise, die aber dadurch getrübt wurde, dass Nasim Afrah, Deutschlands bester Stürmer und einer der besten Spieler der Welt, aus familiären Gründen kurzfristig nicht zur Verfügung stand. Der Grund war aber verständlich: Nasim und seine Frau erwarteten ihr erstes Kind, das mit zwei Wochen Verspätung und erst zum Beginn des Turniers das Licht der Welt erblickte.

TRAUMSTART UND HÖCHSTER LÄNDERSPIELSIEG

Trotz aller Widrigkeiten gelang dem deutschen Team ein sehr guter Start ins Turnier. Nach drei insgesamt souveränen Siegen gegen Australien (6:4), Kanada (25:1 – höchster Länderspielsieg aller Zeiten) und Belgien (6:4) stand schon vor dem vierten Gruppenspiel der Halbfinaleinzug fest.

Die zahlreichen Fans feierten das deutsche Team und warteten mit einem nahezu flugfähigen Adlermaskottchen auf, das sich zum Spaß aller mit dem australischen Känguru ein Duell lieferte. Auch von ›Bär Braunie‹, einem zweiten Maskottchen eines Sponsors, und weiteren Sponsoren wurden die deutschen Spieler persönlich vor Ort unterstützt. Das Highlight war dann das Treffen mit Stephan Auer, dem deutschen Botschafter in Finnland, der direkt ein Trikot bekam und sich selbst im Rollstuhl versuchte.

Im vierten Gruppenspiel hieß der deutsche Gegner dann Niederlande. In der Neuauflage des EMFinales von 2024, auf das die PCHWelt mit Spannung blickte, unterlagen die Adlerträger diesmal deutlich mit 2:14. Auch das Halbfinale gegen die Schweiz ging mit 3:18 hoch verloren.

Im Spiel um Bronze lieferte Deutschland eine solide, aber glücklose erste Halbzeit gegen Italien ab, brach im weiteren Spielverlauf dann leider ein, um am Ende erneut sehr deutlich die Grenzen aufgezeigt zu bekommen.

Gold gewann am Ende die Schweiz mit einem 5:3Erfolg über die Niederlande.

TOP-NATIONEN SPORTLICH EIN STÜCK WEITER ENTFERNT

»Sportlich konnten wir unsere Ziele insgesamt nicht so erreichen, wie vorab anvisiert wurde«, zieht Christian Homburg ein erstes Resümee. »Der vierte Platz ist für uns als WeltranglistenFünfter im Grunde in Ordnung, auch wenn man bedenkt, dass wir ohne Topstürmer Nasim Afrah antreten mussten, der bei der EM 2024 allein 39 Tore beisteuerte.«

Aber die sportliche Abstand zu den TopNationen wie die Niederlande, der Schweiz und Italien, die vor zwei Jahren beide noch besiegt wurden, sei unerwartet groß gewesen, sowohl technisch als auch taktisch. Nach der WM werde man in Ruhe gemeinsam eine umfassende Analyse erstellen, wie das Team in Zukunft wieder den Anschluss finden kann.

Zumindest stimmte der Kampfgeist bis zuletzt. Zudem lief die Medienarbeit und Social Media aus Sicht der Verantwortlichen weltmeisterlich: Das deutsche Powerchair Hockey habe in den letzten 30 Tagen insgesamt rund eine halbe Million Aufrufe alleine auf Instagram und Facebook verzeichnen können. Auch die Fans hätten das Finale mehr als verdient gehabt, die immer zur Mannschaft standen. Und während der Vorrunde habe das Team mit seiner Leistung viele neue Fans für die Sportart begeistern können.

»Die deutsche PCHNationalmannschaft bedankt sich bei Roche, Dr. Ausbüttel, Handimove International, enerix und Sositex für die tolle Unterstützung. Ein großes Dankeschön gilt auch den zahlreichen Spenderinnen und Spendern, die die Teilnahme an diesem stimmungsvollen Turnier überhaupt erst ermöglichen konnten«, so Homburg abschließend.

 

Text: Christian Homburg/gp – Elektrorollstuhlsport.de
Foto: Essi Kultanen