Zwei Teilnehemende berichten aus dem Bayerischen Wald

Diesen Termin habe ich mir rot in meinen Kalender geschrieben. Es blieb nur noch zu hoffen, dass auch genug Schnee im Bayrischen Wald gefallen ist, damit meine erste Skireise (DRS-Faschingskurs) stattfinden kann. Hinter jeder Biegung der kurvigen Landstraße nach Bischofsreuth vermutete ich die erhoffte Winterlandschaft. Und tatsächlich! Es begann ordentlich zu schneien und so erreichte ich das Tagungs- und Freizeithaus „Witikohof“, indem sich alle Kursteilnehmer versammelten, dass inzwischen von einer dicken Schneeschicht bedeckt worden ist.

Doch das allein reicht nicht aus, um auf der Piste hinabzuschießen. Vorerst wurden unter dem prüfenden Blick des Kursleiters Stefan unsere Sportgeräte angepasst und weiteres Equipment ausgegeben. Währenddessen machten sich alle Kursteilnehmenden, Geschwisterkinder, begleitende Partnerinnen und Partner, sowie viele weitere Familienangehörige miteinander bekannt. Für viele fortgeschrittene Teilnehmende war es ein schönes Wiedersehen unter alten Bekannten aus vergangenen Kursen, für manche Neulinge eine erste Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und die Vorfreude zu steigern. Und alle hatten eine große Erwartung: Spaß am gemeinsamen Wintersport – oder wie es einer der jüngeren Teilnehmer am Ende der Woche zusammenfasste: „Mir hat einfach alles gefallen.“

Und so starteten am nächsten Tag alle nach einem reichhaltigen Frühstück, mit dem Sportgerät im Kofferraum und aufregendem Kribbeln im Bauch ins nahegelegene Skizentrum Mitterdorf. Hier ist man auf die besonderen Bedürfnisse für Mono- und Bi-Skifahrende vorbereitet. Alle Anlagen sind barrierefrei angelegt und das Personal hilft gerne beim Einhängen in den Schlepplift oder hält auch den Sessellift an, wenn das Aufsteigen oder Absteigen nicht sofort gelingt.

Aber bevor es jedoch auf den 1142m hohen Gipfel des Almbergs hinauf ging, wurde überprüft, dass wir korrekt in unseren Geräten Platz genommen haben, danach wurde sich mit verschiedenen Übungen gründlich erwärmt und eine Einteilung der Kursteilnehmenden in verschiedene Gruppen vorgenommen, sodass die Fortgeschrittenen weiter ihre Fahrtechniken üben und die Neulinge eine umfangreiche Einweisung in das Gerät bekommen konnten. Auch die Begleitpersonen erlernten vorerst wichtige Handgriffe. Zum Beispiel, wie man Monoskifahrende beim Aufstehen hilft, falls doch mal das Gleichgewicht im Skigerät verloren geht.

Nun ging es los – ab auf die Piste und üben üben üben! Nur zu wissen, wie man die Skistöcker hält und wie man das Alpine Fahrverhalten einnimmt, reicht allein nicht aus. So übten die kleinen Gruppen unter sehr professioneller Anleitung unserer Skilehrer vier Tage lang das Abfahrtsskifahren im Mono- oder Bi-Skigerät. Mit jedem Tag wuchs dabei das Vertrauen in das eigene Können. Während anfangs noch vorsichtig gefahren wurde, wagten sich die Teilnehmenden zunehmend an anspruchsvollere Strecken – auch wenn dabei nicht immer ganz klar war, was einen erwartete: „Wir dachten, die blaue Piste war eine schwarze Piste.“

Nach diesen aufregenden Tagen ging es für die Teilnehmenden stets gesund und zufrieden zurück in den Witikohof. Dort konnten wir alle den Tag in einer familiären Atmosphäre im Sauna- und Schwimmbereich und beim gemeinsamen Abendessen ausklingen lassen und dabei die gemeinsamen Erfolge auswerten. Und auch abseits der Piste wurde deutlich, wie wichtig gegenseitige Unterstützung für die Gruppe waren: „Der Humor war gut.“ Und dann konnten wir uns auf den großen Höhepunkt vorbereiten: das große Abfahrtsrennen.

Dabei galt es, einen Parcours technisch fließend und sicher zu befahren. Und weil jeder sein eigenes Tempo entwickelt hatte, war die Geschwindigkeit hier kein großer Faktor, sondern die möglichst kleine Differenz zwischen den zwei Abfahrten war entscheidend. Angespannt und konzentriert fuhr jeder den Parcours – auch die begleitenden Geschwister, Eltern oder Partner. Es war ein großer Spaß, der in einer Siegerehrung seinen Höhepunkt fand.

Doch nicht nur der sportliche Erfolg blieb in Erinnerung. Das gemeinsame Erleben, das gegenseitige Helfen beim Aufstehen oder am Lift sowie die Unterstützung innerhalb der Gruppe machten diese Woche zu etwas Besonderem: „Richtig cool war die Gemeinschaft und das Skifahren und es wurde viel zusammengeholfen.“

Und über all der Freude und all dem Stolz auf die erreichten Ziele, kam schnell die traurige Erkenntnis, dass diese großartige Skireise viel zu schnell zu Ende ging und wir Abschied voneinander und vom Witikohof nehmen mussten. Nach 14 Jahren, in denen es die Teilnehmenden der Skikurse des DRS beherbergte, schließt das Haus endgültig seine Türen und damit auch für viele ein zweites Zuhause.

Wir sind jedoch alle dankbar, dass durch den energischen Einsatz des Fachbereichsleiters Stefan eine neue Bleibe gefunden werden konnte und somit auch im kommenden Jahr für Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Möglichkeit besteht, die familiäre Atmosphäre und die Faszination des Wintersports zu erleben.

Die Begeisterung der jungen Teilnehmenden zeigte sich schließlich auch in ihren Botschaften an zukünftige Kursteilnehmende: „Ihr müsst es ausprobieren, es ist megacool.“ und „Lerne so schnell wie möglich frei zu fahren!“

Ein großes Dankeschön geht an Stefan, Pascal, Luka und Lutz für die unvergessliche Zeit mit viel Schnee und die neuen sportlichen Fertigkeiten, mit denen wir alle glücklich den Heimweg angetreten haben.

Interesse am Wintersport?

>>> mehr über Skikurse für Menschen mit Behinderung auf: www.monoskikurs.de

Text: Heike Remersberger und Willi Struwe
Fotos: Privat